Unsere Memories of Heidelberg

Gerade in diesen Tagen des Lockdowns ohne Öffnungsperspektive für mein Geschäft denke ich oft an unsere bis letztes Jahr ganz selbstverständlichen Erlebnisse in Heidelberg. Sei es das Öffnen unserer Türen für die Heidelberger Reiseführer, damit sie das Brezelmaß hinter unseren Türen besser zeigen können, die Erklärungen was Kuckucksuhren mit Heidelberg zu tun haben oder einfach nur die Beantwortung zahlreicher Fragen rundum Heidelberg, unsere schöne Region und ob wir Briefmarken zu unseren Postkarten verkaufen. Jede Kleinigkeit fehlt. Reisen war für uns und unsere Kundinnen das Normalste der Welt. Aktuell ist nicht vorstellbar, wann es wieder so werden kann. Das Jahr 2017 als ich das Geschäft meines Onkels übernommen habe ist so weit weg. Damals konnte sich keiner vorstellen, dass wir so etwas jemals erleben würden.

Ziemlich genau vor einem Jahr musste ich mein Geschäft das erste Mal schließen. Glücklicherweise hatten wir schnell zumindest eine kleine Idee, die uns weiterhelfen konnte: ich nähte Masken und mein Mann gestaltete mir einen Onlineshop über den wir diese vertreiben konnten. Ich habe immer gesagt, ich brauche keinen Onlineshop. Souvenirs verkaufen sich nicht im Internet. Souvenirs haben viel mit Emotionen und Erlebtem in den schönen Urlaubstagen zu tun. Sie werden vor Ort gekauft. Es ist schwer zu erklären, wie ich selbst zu dieser Verbundenheit zu wie viele es nennen diesem „Kram“ (und das ist noch nett ausgedrückt) gekommen bin. Doch diese Mitbringsel, wunderschöne Souvenirs, von Heidelberg und Deutschland bedeuten nun mal für jeden etwas anderes. Und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Dazu passt auch ein häufiges Zitat meines Onkels: „Wenn du nur das verkaufst, was dir gefällt, bist du in einem Monat pleite.“ Es steckt aber viel mehr dahinter. Vielleicht schaffe ich es nun endlich ein kleines Herzensprojekt in Gang zu bringen. Zusammen mit meinen Mitarbeiterinnen sammeln wir unsere „Memories of Heidelberg“ (ich hoffe ihr habt nun auch gleich einen Ohrwurm). Wöchentlich will ich versuchen eine Erinnerung zu teilen, um die Wartezeit bis wir neue Geschichten erleben, zu verkürzen.

Eine der häufigsten Fragen zuerst: Was haben Kuckucksuhren mit Heidelberg zu tun?

Nahezu jeden Tag hören wir in Heidelberg: „Ach schau an, eine Kuckucksuhr. Ja sind wir denn im Schwarzwald?“ Nein, das sind wir in Heidelberg nicht wie ein Großteil der deutschen wie auch der auswärtigen Touristen weiß. Dennoch ist der Schwarzwald ein Symbol für Deutschland für die meisten Touristen. So wurde ich auch schon von Touristen gefragt, ob sie einfach mit der Bergbahn auf den Königsstuhl fahren können und dann im Schwarzwald seien. Auch diesen Touristen habe ich erklärt, warum es bei uns Kuckucksuhren sowie allerhand Schwarzwald Souvenirs zu erwerben gibt. Die Uhren sowie die Bommelhüte und Trachten gehören zu einer Tradition, die viele Menschen als sehr schön empfinden. Sie strahlen nicht nur etwas Geschichtsträchtiges aus sondern sind natürlich auch mit wunderbaren Geschichten verbunden. Und auch ich bin mittlerweile verliebt in die ein oder andere unserer Uhren. Und ganz nebenbei: nein, sie kommen nicht aus China, sondern werden tatsächlich im Schwarzwald hergestellt. Jede Uhr hat ein Zertifikat. Und nein: ich bin noch nicht durchgedreht, weil so viele Uhren an unseren Wänden hängen und zu unterschiedlichen Zeiten der Kuckuck herauskommt. Auch das hat wohl mittlerweile etwas Meditatives für mich. Zum Thema Kuckucksuhren passt auch meine erste Erinnerung.

Unverhofft kommt oft

Eine Frau hat einen kleinen Kuckucksuhrmagneten bei mir gekauft. Sie sagt, dass sie die Uhren so schön findet, aber ihr Mann will keine große. Prompt steht auch ihr Mann dabei und sagt: „Klar, wir brauchen auch keine. Wir sind doch Deutsche und keine Amis oder Chinesen.“ Ich sage, dass ich das gut verstehen kann. Ich kann mir meine Kuckucksuhr-Ration auch nur in meinem Laden holen, mein Mann würde durchdrehen, wenn wir eine zu Hause hätten. Dennoch habe ich den beiden diverse Uhren mit ihren Unterschieden erklärt. Ein wenig später denke ich nicht mehr an die beiden. Da steht die Frau vor mir und sagt: „Die hätte ich gern.“ Sie zeigt auf die größte Uhr mit wunderschönen Details und zwölf verschiedenen Melodien, zu jeder vollen Stunde eine neue. „Da ich einen Friseursalon habe, kann ich mir so auch meine tägliche Ration Kuckucksuhr gönnen, ohne dass mein Mann den Kuckuck hört.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.